Brauche ich eine mobile App?

November 21st, 2011   •   1 comment   

In den vergangen Wochen und Monaten wurde ich immer wieder gefragt, ob es notwendig ist, eine iPhone App zu haben. Ich muss vorausschicken: Ich bin kein Freund von Apps und halte es mit dem Running Gag vom Castlecamp 2010 in Kaprun “Braucht jeder Depp a App?” Bereits vor einiger Zeit habe ich meine Meinung dazu um einen weiteren und eigentlich sehr ernst gemeinten Satz erweitert:

“Wer braucht schon einen Nutzen, wenn man eine App haben kann!”

So fällt es mir unter anderem recht schwer, einen Nutzen in den zahlreichen Hotel-Apps zu sehen. Ich würde bei diesen Apps wirklich zu gerne die Downloadzahlen der App mit den Aufrufen der Hotelwebseite durch mobile Geräten vergleichen. Ich wage zu behaupten, dass letzteres stärker genutzt wird und man daher dort beginnen sollte. Das Geld für eine App halte ich zum Beispiel in ein Glas Sekt für die Gäste oder eine kostenlose Massagen besser investiert. Skaliert zwar nicht so gut, bietet dem Gast dafür in der Regel einen deutlich stärkeren Nutzen und bleibt auch länger im Kopf.

Aus diesem Grund rate ich auch in den meisten Fällen zu folgender Strategie:

  1. Die eigene Webseite einem Tauglichkeitstest unterziehen
    Sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider sehr oft nicht. Flash, komplizierte Javascript-Menüs und andere Sackgassen machen die Nutzung der Webseite oft nur mit einer Maus bzw. den PC möglich.
  2. Große und bewährte Internetdienste nutzen
    Wie Bewertungsplattformen, Google Places/Maps, Flickr, YouTube, usw. Viele Online-Services greifen auf die Daten großer Portale zurück und integrieren diese in ihre eigenen Apps. Aus diesem Grund sollte man das Problem an der Wurzel packen und dort gut vertreten sein. Oft genügt es den Besucher oder Kunden, auf eine bestehende und gute App zu verweisen und diese für sich zu nutzen.
  3. Eine mobile Version der eigenen Webseite anbieten
    Hier ist darauf achten, dass die Geräte beim ersten Ansurfen automatisch erkannt werden und auf die angepasste Version umgeleitet werden. Mit Responsive Webdesign (die Seite passt sich an den verfügbaren Platz an) kann man diesen Schritt schon gemeinsam mit Punkt 1 lösen. Bitte als mobile Version auf keinen Fall DoIt-Yourself Lösungen verwenden! Die Wartung der mobilen Version sollte nicht von der “großen” Webseite getrennt sein – anders funktioniert es in der Praxis aufgrund der Ressourcen nicht.
  4. Eine App erstellen lassen
    Nachdem die ersten 3 Schritte gelöst sind, kann über eine App nachgedacht werden. Hier sollte jedoch ein klarer Mehrwert erkennbar sein und nicht der Wunsch des Geschäftsführers, das Logo des Unternehmens im App Store zu finden.

Abschließend noch ein paar Lesehinweise für alle, die sich näher mit diesem Thema beschäftigen möchten:

Etwas weniger drastisch als ich und eher von Kosten/Nutzen-Seite betrachtet hat dies Inc. Technology.com.

IntoMobile berichtet über eine Studie von OpenCloud die aussagt, dass sich Nutzer gar nicht um Apps kümmern. Die meisten User begnügen sich mit dem SMS, Telefonie, Email, einem Browser, der Kamera und Karten.

Das es aber auch anders geht und eine Hotel-App auch gut gemacht sein kann, zeigt das Hotel Weitzer in Graz mit der App Graz Secrets.

Das Headerbild kommt von MobileMonday Austria.

One comment

  1. Michael says:

    ganz meine Rede – ähnlich wie bei Social Media heißt es auch beim Appstore “da müssen wir dabei sein” – idR leider ohne Plan und Ziel (wenn man mal von dem Ziel dabei zu sein absieht ;-)

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